Was ist Legasthenie?
- Unter Legasthenie (Lese-Rechtschreib-Schwäche) versteht man eine
der zentralen Aufnahme, Verarbeitung und Wiedergabe von Sprache und
Schriftsprache. Dies führt zu schulischem Versagen, das aber nicht
durch eine allgemeine intellektuelle Behinderung oder schlechte
schulische Betreuung zu erklären ist. Die Kinder lesen langsam,
stockend und fehlerhaft, aber auch flüchtig schnell und falsch.
Häufig werden Buchstaben ausgelassen, verdreht oder andere eingefügt.
Beim Schreiben fällt eine große Fehlerzahl auf. Die Folge
der Buchstaben kann so stark verändert sein, daß die Worte
nicht mehr erkannt werden.
- Die Lese- und Schreibprozesse sind extrem kompliziert und setzen die
Zusammenarbeit vieler verschiedener Hirnfunktionen voraus. Probleme
können auf mehr als einer funktionellen Ebene entstehen.
- Legasthenie ist eine neurobiologisch begründete Schwierigkeit
beim Erlernen der Schriftsprache im Vergleich zum Erlernen anderer
intellektueller Fähigkeiten des Betroffenen.
- Legasthenie liegt vor, wenn die Ergebnisse eines Intelligenztests
und eines Lese-Rechtschreibtests deutlich verschieden sind. Eine
Abgrenzung einer reinen Legasthenie von Lese-Rechtschreibproblemen
ohne neurologische Ursachen ist oft schwierig.
Ursachen der Legasthenie
- Erbfaktoren scheinen in vielen Fällen eine Rolle zu spielen. Verbindungen mit Chromosom 6 und 15 sind nachgewiesen, weitere
werden gegenwärtig erforscht. Derzeit gibt es keinen genetischen Diagnose-Test.
- Legasthenie steht in Verbindung mit Normabweichungen neuroanatomischer und hirnfunktioneller Merkmale.
- Derzeit gibt es gesicherte Hinweise für eine ganze Reihe von Fehlleistungen, die mit Lese-Rechtschreibschwächen verbunden
sind. Darunter sind phonologische Schwächen, Schwierigkeiten bei der zeitlichen Verarbeitung visueller und auditorischer Reize
sowie deren Abhängigkeit von Aufmerksamkeitsprozessen und Schwächen der motorischen Steuerung.
- Unregelmäßigkeiten der Blicksteuerung und binokuläre Instabilität werden mit Lese-Rechtschreibschwächen
verbunden.
- Seh- und Höhrschwächen können bei der Entstehung von Lese-Rechtschreibschwächen ein Rolle spielen.
- Methoden zur Bestimmung verschiedener Verarbeitungsprozesse bei Lese-Rechtschreibschwäche wurden entwickelt.
Hilfen bei Legasthenie
- Bevor andere Behandlungen bei Lese-Rechtschreibschwäche erwogen
werden, sollten Sehen und Höhren getestet und gegebenenfalls
behandelt werden. Winkelfehlsichtigkeiten und/oder Fehlleistung
bei Blickbewegungen und Fixation können können zu Problemen führen,
die denen der Legasthenie sehr gleichen. Das gleiche gilt für
visuelle Wahrnehmungsstörungen. Beides läßt sich bei darauf
spezalisierten Optometristen und Augenoptikern überprüfen
(Winkelfehlsichtigkeiten nach der "MKH"-Methode, Blickbewegungen und
visuelle Wahrnehmungsstörungen durch optometrisches Visualtraining).
- Es ist wichtig, Kinder zum Lesen zu ermuntern, da das Üben des
Lesens selbst die Leseleistungen verbessert. Kinder mit
Leseschwächen vermeiden es oft, zu lesen, und erhöhen
damit ihre Schwierigkeiten noch mehr. Elterliche Hilfe und
computerunterstütztes Lesen kann helfen, die Kinder zum Lesen
zu motivieren. Schwere Fälle sollten wie Krankheiten angesehen
und behandelt werden.
- Da der Lese-Rechtschreibschwäche verschiedene Arten von
Schwierigkeiten zugrundeliegen können, ist es notwendig, die
Art der Hilfe für jede Person gesondert festzulegen. Übung
der phonologischen Wahrnehmung hilft vielen Kindern. Die Wirkung
anderer Methoden zum Training sensomotorischer Prozesse und ihrer
zeitlichen Verarbeitung werden erforscht.
Unter visueller Wahrnehmung versteht man die Aufnahme und Verarbeitung von
Seheindrücken - unter Einfluss von Intellekt und Psyche -, die zum
Erkennen von Gegenständen und Vorgängen der Umwelt und der eigenen
Person führen. Dies geschieht durch ein sinnvolles Zusammenspiel des
zentralen und peripheren Sehens (Gesichtsfeld) beider Augen. Die Aufnahme und
Verarbeitung der Seheindrücke und die Bewegung der Augen werden vom
Gehirn aufeinander abgestimmt. Störungen der Augenmotorik und
Fehlsichtigkeit (Info) kann der Augenarzt behandeln. Bei
Gesichtsfeldausfällen ist das aber nicht möglich.
Das Ergebniss zweier Studien der Universitäts-Augenklinik Würzburg ergaben:>
- Als Ergebnis einer Untersuchung von 24.000 Schülern der 1. bis 10.
Klasse kam heraus, daß jedes dritte Kind eine Brille brauchte.
- Innerhalb einer weiteren Studie mit 341 Schülern mit Legasthenie
verfügte die Hälfte der geprüften Kinder nicht über die
volle altersentsprechende Sehschärfe beider Augen. Bei der
Prüfung auf Winkelabweichungen fanden sich solche bei 80 Prozent
der Kinder, in der überwiegenden Mehrheit (85 Prozent) mit
kleinen Winkelfehlstellungen. Das entspricht in etwa der
Normalverteilung in der Bevölkerung. Etwa ein Viertel hatte
Probleme beim Fixieren in der Nähe.
Bei folgender Adresse können Sie nachfragen, wo eine Legasthenie-Diagnose in Ihrer Nähe möglich ist:
- Bundesverband Legasthenie,
Königstr. 32, 30175 Hannover, Telefon 0511/318738